Hartmann von Blautann – Ritter der Göttin, Held der Arbeit und des Erdbeerfeldes

Hartmann von Blautann, inzwischen ein Ritter der Göttin Rondra wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Er wurde als Sohn einfacher Bauern im Herzogtum Weiden geboren und lebte bis zu seinem achten Lebensjahr auf dem elterlichen Gutshof.
Geprägt vom harten Leben und der schweren Arbeit auf den Feldern flüchtete sich der junge Knabe schon früh in eine Fantasiewelt und träumte davon, als stolzer Ritter und angesehener Edelmann durch Weiden zu reiten. Doch die harten Zeiten auf dem Lehnshof der Eltern stellten lange einen krassen Kontrast zu seinen Träumen dar.
Kurz vor seinem neunten Geburtstag hatte Hartmann seine Träume so weit gesponnen, dass er sich zu einer folgenschweren Entscheidung entschloss: Er wollte davonlaufen und sein Glück in Baliho versuchen. Von Reisenden hatte er von der dortigen Kriegerakademie gehört und angestachelt von der Vorstellung, er könne dort trotz seines geringen Standes aufgenommen werden, setzte er seinen Plan in die Tat um und schlich sich eines Nachts vom Hof der Eltern.
Unter Mühen und mit Phexens Hilfe schaffte er es bis zu den Toren und sogar bis zum Leiter der Akademie. Doch bevor er seinen Triumph auskosten konnte, wurden seine Wünsche jäh zerstört: Man nehme nicht jeden dahergelaufenen Bauernlümmel auf, der sich eine fixe Idee in den Kopf gesetzt habe, hieß es. Außerdem müsse man schon von Stand oder zumindest wohlhabend sein, um in dieser Akademie aufgenommen zu werden.
Enttäuscht von dieser niederschmetternden Erkenntnis verbrachte Hartmann viele Monate auf den Straßen Balihos als Betteljunge, denn der Weg zurück zum Hof seiner Familie blieb ihm versperrt. Sein Vater hätte den entlaufenen Sohn wohl mit Schimpf, Schande und einer Menge Prügel vom Gut gejagt.
Die Zeiten auf dem Hof seiner Eltern waren hart gewesen, doch auf den Straßen Balihos durchlebte Hartmann eine Zeit, deren Entbehrungen alles in den Schatten stellte, was er bisher kannte. Trotzdem, oder gerade deswegen, verlor der Junge seinen Wunsch nicht aus den Augen. Er klammerte sich fest an den Traum, denn er war das einzig Gute, was ihm in seinem Leben geblieben war. Er redete sich ein, dass eines Tages ein reicher und gutmütiger Adliger sich seiner erbarmen würde und ihm die Aufnahme in der Akademie ermöglichen sollte. Jeden Abend flehte er Rondra an, sie möge sich seiner Erbarmen und ihn der so mutig war, sich von seinen Eltern davonzumachen und alles aufzugeben nur um ein Leben als Krieger zu führen, endlich seiner Bestimmung zuführen. Einem Leben als strahlender Kämpfer, in Rüstung und Schwert.
Wer weiß, ob die Kriegsgöttin in diesen Tagen seine Bitten erhörte. Jedenfalls sollte er Glück haben und eines Tage sollte sich sein Traum vom Leben mit dem Schwert erfüllen. Allerdings nicht so, wie sich der junge Hartmann das vorgestellt hatte…
Im Praios, drei Monate seit seiner Flucht, hörte der Junge von einer Gruppe Söldner namens „Bernhelms Schar“, einem größerem Trupp gemischter Söldner, die in der Gegend um Baliho stationiert waren. Man erzählte, dass sie in einem Gefecht mit Orks schwere Verluste hatten hinnehmen müssen und nun ihre Reihen auffüllen mussten.
Mit einer Eingebung im Kopf, einem vor Hunger knurrenden Magen und einem romantischen Söldnerbild im Kopf machte sich Hartmann auf den Weg in das Söldnerlager. Sicherlich konnte man dort in kurzer Zeit viel Geld machen, so dass er sich die Aufnahme in die Akademie vielleicht einfach erkaufen könnte.
Die Söldner lagerten vor der Stadt und waren von schon von weitem an dem Lärm aus ihrem Lager auszumachen. Der Junge zögerte nicht und erfragte sich bei den gutmütigen Kämpfern den Weg zu ihrem Hauptmann.
Der war nicht überrascht, dass der Junge den Wunsch hatte ein Krieger zu werden. Viele bettelnde Straßenkinder waren bei ihm gewesen und hatten um einen Platz bei den Söldnern gefleht. Doch er hatte sie alle abgewiesen. Sie waren zu schwach, zu jung oder zu krank und eigentlich war es nicht sein Wunsch die Verluste seines Söldnerhaufens mit Kindern aufzufüllen.
Vielleicht half Rondra dem jungen Hartmann und schenkte ihm die Kraft, den Anführer der Söldnerschar durch seinen starken Willen zu überzeugen. Jedenfalls war dieser nach einem kurzen Gespräch von Hartmanns Mut und Körperkraft überzeugt, dass dieser junge vielleicht doch eine gute Investition sein könnte. Und Hartmann war überglücklich, dass er seinem Traum doch noch einen Schritt näher gekommen war.
Die erste Zeit bei den Söldnern war für Hartmann jedoch eine schwere Enttäuschung. Statt sofort mit dem „Dienst“ an der Waffe zu beginnen, war es seine Aufgabe für die Pferde zu sorgen, die Lagerstätten sauber zu halten und sich um die Waffen und Rüstungen der Söldner zu kümmern. Erst nach fünf schweren Jahren schwerer Arbeit, nur kurz unterbrochen mit gelegentlichem Waffentraining, sollte Hartmann seine Chance bekommen, sein Können unter Beweis zu stellen.
Helmar, ein Streiter, dessen bevorzugte Waffe der Andergaster war, wurde im Pfeilhagel niedergestreckt und da ein adäquater Ersatz fehlte, durfte Hartmann dessen Rüstung und Waffen übernehmen. Seine Ausbildung begann erst jetzt richtig und obwohl er schon vorher mit Waffen geübt hatte, war er erstaunt, wie kräftezehrend das kämpfen war. Doch Rondra hatte ihn mit Kraft, Geschickt, Mut und Durchhaltevermögen gesegnet und so machte er sich mit der Zeit zu einem hervorragenden Kämpfer. Längst hatte er Ansehen in den Reihen der Söldner gefunden und sein Wunsch, an die Kriegerakademie zu gehen war von der vergangenen Zeit, der Herzlichkeit und dem Gemeinschaftsgeist der Söldner verdrängt worden.
Seine engen Freunde dieser Zeit waren Karlmann, der so wie er einen Andergaster führte und Elwene, eine ausgezeichnete Armbrustschützin, mit der er eine kurze Liebschaft eingegangen war.
Die Krieger zogen in vielen Scharmützeln an den Grenzen zu Andergast oft gegen die Orks und machten sich als Orkjäger einen Namen. Es hieß, der Truppe entkäme kein Schwarzpelz, selbst, wenn er sich in den Niederhöllen versteckte. Doch lange sollte der Ruf der Kämpferschar nicht bestehen. Eines Tages, als die Söldnerschar eine flüchtende Bande Orks verfolgte, geriet die Truppe in einen Hinterhalt. Die Schwarzpelze waren schon lange von den Söldnern verfolgt und dezimiert worden und wollten sich nun endlich an ihren Peinigern rächen. Um den Kriegerhaufen der Glatthäute zu zerschlagen, hatten die Stammeskrieger fast sechzig Kämpfer zusammengescharrt, die an den Waldrändern einer Schlucht auf die Söldner warteten.
Bernhelm, der Hauptmann, hatte die Orks unterschätzt. Die Söldner waren ihrem letzten Weg in Marschbereitschaft und nicht kampfbereit. Sie fühlten sich sicher, da die von ihnen verfolgten Orks nur noch aus ein paar ausgehungerten und erschöpften Kriegern bestand. Als er der relativ kleinen Gruppe zusammen mit seinen Männern in ein kleines Tal nahe der Grenze folgte, wurde den Söldnern plötzlich von beiden Seiten der Weg aus dem Tal versperrt.
Die Orks wagten sich erst gar nicht in den Nahkampf. Sie hatten sich an den Hängen postiert und ein wahrer Pfeilhagel ging auf die Söldner nieder. Auch Hartmann war so überrascht, dass er erst wieder klar denken konnte, als die Schwarzpelze von den Hängen hinab in den Nahkampf stürmten um die letzten Söldner niederzumachen, die sich noch auf den Beinen hielten. Jegliche Gegenwehr war vergebens, die Stammeskrieger hatten keine Probleme damit, die durch den Hinterhalt demoralisierten und dezimierten Kämpfer niederzumachen. Hartmann wurde von einem Ork im Nahkampf schwer getroffen und verlor das Bewusstsein.
Er erwachte erst, als einen Tag später eine größere Truppe Soldaten aus Lowangen den Kampfplatz erreichten und sich um die wenigen Überlebenden kümmerten. Als er aus dem Dämmerzustand erwachte, den seine tiefe Verletzung durch den Ork verursacht hatte, wurde Hartmann über das gesamte Ausmaß des Gefechts informiert: Fast die gesamte Söldnertruppe war ausgelöscht worden, nur Zwölf hatten die Schlacht überlebt. Zwei davon mit so schweren Verletzungen, dass sie noch auf dem Weg nach Lowangen verstarben, dreien mussten Beine oder Arme amputiert werden.
Auch Hartmann hatte schwere Verwundungen davongetragen. Nachdem die Orks die Leichen geplündert hatten, schichteten sie die Toten (und die, die dem Tode nahe waren) zu Haufen auf, übergossen sie mit Öl und zündeten sie an. Sicherlich nicht, um ihre Spuren zu verdecken, oder die Leichen zu bestatten, sondern allein um ihre Feinde zu schmähen.
Hartmann hatte Glück im Unglück, er lag zwar auch auf einem der Leichenhügel, doch waren die Orks wohl recht ungründlich gewesen, so dass ihn die Hitze des Öls nicht komplett verbrannte, jedoch seine linke Gesichtshälfte entstellte und ihm einen Teil seines Gehörs nahm.
All seine Freunde waren tot und auch seine „Heimat“ bei den Söldnern war dahin. Natürlich wurden schon oft Mitstreiter erschlagen, aber das Ausmaß dieser Niederlage entsetze ihn über alle Maßen. Noch voll Kummer machte sich Hartmann auf einen unbestimmten Weg, der, so hoffte er, von Rondra angeleitet, zu einer besseren Zukunft führen würde.
Doch hatte ihn das Schicksal seiner Gefährten schwer geprägt: Seit diesem schrecklichen Ereignis überkommt Hartmann im Kampf eine Wut, die er nur schwer kontrollieren kann. Sind die Schmerzen die ihm widerfahren zu groß, oder wir er von brennenden Waffen getroffen, so wird er zu dem, was die Thorwaler einen „Walwütigen“ nennen.